Brief an Herrn Trenkamp, Spiegel-Redaktion, Mai 2021 zur Coronaimpfung

Sehr geehrter Herr Trenkamp,

ich erhalte seit einiger Zeit Ihren „Die Lage am Abend“ Newsletter und bisweilen anderes von Ihrem Verlag, sicher weil ich es einmal angeklickt habe. Früher war ich Leser von Spiegel und SZ.

Wenn Sie nun die Nachricht: „Für Geimpfte und Genesene sollen viele Beschränkungen schon bald fallen“ als gute Nachricht erwähnen, bekomme ich eine Gänsehaut. Denn dieses Ansinnen heißt ja nichts anderes, als das ab dann die Gesunden und Unbeteiligten diskriminiert werden. Und was es daran zu bejubeln gibt, ist mir unverständlich. Um zu wissen, ob jemand diskriminiert wird, das haben wir in der Migrantenfrage gelernt, muss man den fragen, der sich diskriminiert fühlt. Mir werden, wie allen anderen, seit über einem Jahr meine Grundrechte vorenthalten, die man deswegen eigentlich schon gar nicht mehr so nennen darf, sie sind zu Eventualrechten verkümmert, oder wie Frau Merkel meint, zu Privilegien. Ich bin fast 70 Jahre, kerngesund, sportlich aktiv und hatte und habe keine Angst vor Atemwegserkrankungen. Ich hatte mich nie gegen Grippe impfen lassen und habe das auch nicht wegen Corona vor (nein, ich verharmlose Covid 19 nicht, es handelt sich um eine viel schwerwiegendere Atemwegserkrankung). Ich glaube einfach, dass wir die Risiken der neuen Impfstoffe erst in 2-3 Jahren richtig einschätzen können, und da ich weder in Fußballstadions gehe, und das Oktoberfest eh nur kurz besucht habe, sah ich mich nie als Risikogruppe. Selbstverständlich muss das jeder selbst entscheiden, und so begrüße ich, dass man nun Alte und Vorerkrankte geimpft hat, in der Gewissheit, dass für diese das Impfrisiko niedriger ist als das Covid-Risiko. 

Wenn mir nun als gesunder Mensch weiter meine Grundrechte verweigert werden, aber Erkrankten und Geimpften sie gewährt werden, so werde ich aufgrund meiner Gesundheit und meiner Lebenseinstellung diskriminiert. In einer früheren Nachricht gaben Sie die Begründung an, dass Ihre Kollegin im Wissenschaftsbereich die „Expertenmeinung“ teile, dass auch von negativ getesteten eine größere Ansteckungsgefahr ausgehe als von Genesenen und Geimpften. Das erscheint jedem logisch denkenden Menschen unlogisch, aber es scheint nun tatsächlich auch die Meinung einiger Experten zu sein.

Als junger Mann musste ich lernen, dass in der Nazizeit namhafte Wissenschaftler die biologische Minderwertigkeit von Juden und Slawen gegenüber Ariern nachwiesen. Und ich erinnere mich noch, auf welche Expertenmeinungen sich die Regierungen stützten, als sie in der 80ern Atommeiler bauen ließen: Sie seien völlig ohne Risiko, ohne sie gehe das Licht aus, das Atommüllproblem ließe sich leicht lösen, sie seien die kostengünstigste Art der Stromerzeugung etc. Alles Unsinn, wie wir nicht erst seit heute wissen, aber Atomkraftgegner wurden jahrelang als Spinner und Fortschritts-verweigerer diskriminiert. Und eine ähnliche Diskriminierung erleben wir heute wieder, zuletzt im Künstlerbashing anlässlich der Sorgen, die Künstler in Videos ausgedrückt haben, und in der Verleumdung von Regierungskritikern als „Corona-Leugner“; an sich bereits ein übler demagogischer Begriff, denn nur wenige streiten ja ab, dass es sich um eine ernsthafte Krankheit handelt. Die Kritiker sind lediglich mit den Regierungsmaßnahmen nicht einverstanden, der Begriff „Corona-Leugner“ stellt sie diffamierend in die Ecke der „Holocaust-Leugner“.

Eine weitere Sorge bereitet mir, dass über den Versuch, bald auch Kinder impfen lassen zu wollen, und dann wohl auch diese bei Nichtimpfung zu diskriminieren, völlig unkritisch berichtet wird. Das Risiko für Kinder, an Covid-19 zu erkranken ist (auch wieder nach Meinung vieler Experten) um ein Vielfaches geringer als das Risiko der Impfung. Ich kann verstehen wenn Menschen von „Impfrassismus“ sprechen.

Es ist bedauerlich, dass man das heute dazusagen muss: Ich habe mit irgendeiner „rechten“ oder „Verschwörungsgruppe“ nichts am Hut. Ich habe Frau Merkel in der Flüchtlingsfrage und beim Atomausstieg gratuliert. Ich bin lediglich ein kritisch nachdenkender Mensch und möchte meine eigenen Entscheidungen treffen, und dafür nicht bestraft werden.

Ich würde mich freuen, wenn auch der Spiegel wieder kritisch die Regierungsentscheidungen hinterfragt, und fragte, was denn eigentlich dahintersteckt, wenn man dem Volk völlig unsinnige Entscheidungen als „alternativlos“ darstellt.

Mit freundlichen Grüßen

Günter Lukas

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